Tuning- So geht man die Sache richtig an

  • Keine Angst, das wird keine, wie es der Titel vielleicht suggeriert, Anleitung wie ihr euren Subaru strikt nach Schema F zu tunen habt. Es geht nicht darum zu sagen: Das ist schlecht und das ist gut, letztenendes ist Tuning immer individuell und reine Geschmackssache. Mir geht es vielmehr darum, grundlegende Dinge anzusprechen. Wie geht man an ein Projekt ran? Was sollte man beachten? Ich möchte euch von meinen Erfahrungen berichten und auch darauf eingehen, warum viele Projekte weit vor der Vollendung aufgegeben werden und nicht zuletzt auch, warum euch diese Community auf verschiedenste Arten bei eurem Projekt durchaus sehr nützlich sein kann, vorausgesetzt ihr setzt die vorhandenen Mittel richtig ein.


    Allgemeines zum Tuning


    Bevor wir mit der Strukturierung und der Herangehensweise an ein Projekt beginnen, möchte ich noch ein paar generelle Grundsätze ansprechen, die man in jedem Fall beherzigen und verinnerlichen sollte.


    Du allein bist für dein Tuning verantwortlich!

    Und damit meine ich nicht, dass du daran Schuld bist, wenn Leuten die Sabber ausm Gesicht fällt oder sie 5 neue Fältchen bekommen, weil sie beim Anblick deines Wagens vor Schmerz das Gesicht so stark verziehen müssen. Ok, das mag vielleicht auch ein Aspekt der Verantwortung sein aber ich will auf durchaus ernstere Dinge hinaus:


    Du solltest immer im Hinterkopf behalten, welche Auswirkung dein Handeln auf dich und vor allem aber auch auf Andere haben könnte. Wenn ein mangelhaft montierter Diffusor auf die Strecke fällt und das dahinter fahrende Fahrzeug dadurch beschädigt oder wenn dein Heckspoiler auf der Autobahn geschossartig in der Frontscheibe einer unerfahrenen Fahrerin einschlägt, die daraufhin bei 120km/h erschrocken das Lenkrad verreißt ist die Sache schon nichtmehr ganz so lustig. Sei also nicht dumm, geh die Sache mit gesundem Menschenverstand an: Neue Teile werden langsam erprobt und zwar da, wo niemand zu Schaden kommen kann. Übertreib es nicht gleich, taste dich behutsam an das Maximum ran und kontrolliere neue Teile in immer größer werdenden Abständen.Grundsätzlich solltest du immer skeptisch sein und erst langsam Vertrauen in deine Arbeit und die neuen Teile aufbauen. Sei vor allem nicht Eitel. Wann immer du die Möglichkeit dazu hast, solltest du auch andere Leute deine Arbeit überprüfen lassen! Auch erfahrene Schrauber machen Fehler, Murphy's Law ist erbarmungslos, doch dazu gleich noch mehr.


    Sicherheit geht vor

    Wann immer du etwas am Auto machst, solltest du zunächst an deine Sicherheit denken! Es gibt genügend Berichte von Leuten die zu Tode gekommen sind, weil ihnen beim Basteln das Auto auf den Körper gefallen ist. Wollt ihr eurem Kind oder eurer Liebsten den Anblick zumuten, euch so in der Garage vorzufinden? Denkt da das nächste mal dran, wenn ihr "nur mal eben schnell" etwas machen wollt. Legt euer Leben nicht leichtfertig in die Hände des "Ingeneurs" der euren Wagenheber von Ebay "konstruiert" hat. Vernünftige, TÜV geprüfte Unterstellböcke sind schon für 15 EUR zu haben. Holzklötze sind hier fehl am Platz, wie dieser Mann schmerzlich feststellen musste.


    Ich möchte hier keineswegs den Moralapostel spielen aber ich bin der Meinung, dass die eben genannten Dinge sehr wichtig sind und obwohl sie eigentlich selbstverständlich sein sollten, einfach in diese Ausführungen hier gleich an erster Stelle hinein gehören. Wie bereits erwähnt, Murphy's Law ist allgegenwärtig und wird vor allem bei uns in der Luftfahrt auch immer und immer wieder gepredigt, zu Recht!


    Murphy's Law


    Für die jenigen unter euch, die es noch nicht kennen: Dieses Gesetz besagt nichts anderes als:

    Zitat

    Alles was schief gehen kann, wird auch schief gehen

    oder um es noch genauer auszudrücken:


    John W. Campbell Jr. schrieb:

    Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstwie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen


    Ihr solltet also alles dafür tun, dass es euch nicht erwischt und doch wird es euch früher oder später Treffen, die Frage ist nur in welchem Umfang. In der Luftfahrt haben wir hierfür extra mehrfach redundante Systeme, die nach dem Fail- Save- Prinzip arbeiten. Auch durchgeführte Arbeiten werden immer durch ein 8- Augen- Prinzip überprüft. Das heisst wenn ein System (ob mechanisch oder Menschlich) ausfällt, kann dies allein nie zur Katastrophe führen. Naja soweit müssen wirs am Auto nicht treiben, immerhin hat man hier wenigstens noch die Möglichkeit rechts ran zu fahren ;) Aber ihr solltet euch, zumindest wenn es um eure Eigensicherheit geht, nie nur auf eine Sache allein verlassen sondern euch lieber mehrfach absichern.


    Tuning zahlt sich nicht aus


    Diesen Spruch sollte jeder schonmal gehört haben und er trifft definitiv zu. Das Argument, dass ihr mit Tuning den Wert eines Fahrzeuges steigern könnt, hinkt gewaltig! Egal was ihr an eurem Fahrzeug macht, ihr werdet nie wieder das Geld rausbekommen, was ihr reingesteckt habt, nichtmal dann, wenn ihr den Wert eurer eigenen Arbeit gen null setzt. Wer also meint mit Tuning eine gute Wertanlage zu schaffen, der sollte es lieber gleich lassen, das Gegenteil ist sogar der Fall! Wer heute einen originalen GC8 einmottet und ihn in 20 Jahren wieder raus holt, hat am Ende vermutlich mehr davon als derjenige, der seinen GC8 die nächsten 20 kontinuierich weiter tunt oder seinen bereits modifizierten GC8 einmottet.
    Seid euch bewusst, dass ein Großteil des Geldes, welches ihr in euren Wagen steckt, unwiederruflich futsch ist.


    Gutes Werkzeug ist die halbe Miete


    Da es hierfür schon einen eigenen Artikel gibt, möchte ich hier nur kurz auf diesen verweisen: Ein Schrauber ist nur so gut, wie sein Werkzeug - meine Empfehlungen


    Nehmt euch Zeit


    Beim Tuning solltet ihr euch immer die nötige Zeit nehmen und vor allem geduldig sein. Viele machen den Fehler und können es kaum erwarten, neue Teile zu verbauen und mal ehrlich, wer kennt das nicht: Man ist mitten beim Schrauben und plötzlich stellt man fest: Ein kleiner Clip oder eine bestimmte Schraube fehlt, naja dann wird eben erstmal improvisiert... Kann man ja später dann immernoch mal richtig machen. Oft wird's am Ende dann aber doch so gelassen, schließlich funktionierts ja auch so und ehe man sich versieht ist das ganze Auto reine Improvisation. Besonders ärgerlich ist das, wenn mans später nichtmehr oder nur mit großem Aufwand wieder richten kann. Hierzu ein kleines aktuelles Beispiel meinerseits:


    Als ich mein 6-Gang- Getriebe verbauen wollte ist mir aufgefallen , dass beim Schaltgestänge eine Passhülse fehlte. Ohne dieses Teil kann man zwar schalten aber man hat viel Spiel im Schaltknüppel (der berühmte Quirl in der Teigschüssel). Also hab ich Subaru angerufen, das Teil war nicht auf Lager, Lieferzeitpunkt unbekannt. Ich hab das Ding bestellt doch saß ich jetzt zu Hause mit der festen Absicht heute den Antriebsstrang einzubauen. Ach kein Problem, da kommt man auch noch dran, wenn das Getriebe drin ist.


    Gesagt, getan. Inzwischen ist das Auto wieder fahrbereit, also auch der Motor wieder drin. Jetzt am Wochenende wollte ich die Hülse einbauen und musste genervt feststellen, dass der Bolzen sich im eingebauten Zustand gar nicht rausziehen lässt und es somit unmöglich ist, die Hülse im eingebauten Zustand einzubauen! Das Ende vom Lied: Das Getriebe muss wieder raus! Und das nur wegen einer kleinen Hülse!
    Ihr seht also, kleine Ursache, große Wirkung! Tut euch also selbst ein Gefallen und mach alles von Anfang an richtig. Und wenn ihr etwas nicht da habt, dann seid bitte so geduldig und lasst die Arbeit ruhen, auch wenn ihr euch etwas fest vorgenommen habt.


    Auch bekannt dafür vorzeitig darüber abzusterben sind Schleifarbeiten man baut den Breitbau an und ist von dem Anblick so begeistert, dass man am besten sofort damit aufs nächste Treffen will. Also wird hastig gearbeitet und am fertig lackierten Auto entdeckt man dann noch stellen die wellig und unschön sind. Im nachhinein ärgert man sich tierisch über solche Sachen, das war die Vorfreude doch definitiv nicht wert oder?


    Fast an jedem Auto findet man solche Stellen und auch ich erwische mich immer wieder dabei (siehe Getriebe) und ausnahmslos immer wieder äärger ich mich im nachhinein darüber, schon wieder keine Geduld gehabt zu haben.


    Ihr macht in Sachen Geduld spätestens dann ganz gehörig etwas falsch, wenn ihr euch in einem Auto mit unlackiertem Bodykit dabei erwischt, mit offenem Fenster und Pornobrille durch die Stadt zu fahren und Präsenz zu zeigen!


    Tuning am Daylie Driver


    90% aller Hobby-Tuner nutzen das Fahrzeug an dem sie schrauben auch im alltäglichen Gebrauch. Dieser Umstand fördert natürlich die Unart etwas zu überstürzen und hier und da zu pfuschen. Gerade wenn ihr euer Projekt auch als Daylie einsetzt ist es enorm wichtig eure Aktionen im Vorfeld gut zu planen, um möglichst nie in die Situation zu kommen, dass doch noch irgendetwas fehlt, was man nicht mal eben so auftreiben kann.
    Wenn ihr ohne Vorerfahrung größere Umbauten in Erwägung zieht, dann ist es äußerst ungünstig, wenn ihr diese umfangreichen Arbeiten zum ersten mal an einem Daylie durchführt. Unbekannte, große Vorhaben lassen sich meist nicht genau planen und die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Aufgrund mangelnder Erfahrung etwas beschädigt oder an entscheidende Dinge schlicht nicht gedacht habt und deshalb eben nicht bis zum nächsten Arbeitstag fertig werdet, ist groß. Entweder solltet ihr euren Urlaub also großzügiger planen oder noch ein Auto als Backup zur Verfügung haben.


    Änderungen schrittweise durchführen


    Ihr solltet nie mehrere größere Änderungen auf einem Schlag durchführen. An sonsten tut ihr euch später sehr schwer die Ursache für etwaiges Fehlverhalten auszumachen. Liegt es denn nun am Fahrwerk, an den neuen Bremsen oder doch an den Reifen, dass ich plötzlich eine ganze Sekunde langsamer auf meiner Hausstrecke bin als sonst? Nun, das lässt sich so leider nichtmehr systematisch ausmachen, es sei denn ihr rüstet Schritt für Schritt wieder zurück, bis ihr den Fehler gefunden habt. Die umgekehrte Variante ist da deutlich besser und spart euch viel unnütze Schrauberarbeit und Nerven.


    Was will ich?

    Nachdem wir die grundlegendsten Sachen zum Thema Tuning geklärt haben, möchte ich mit der Frage fortfahren, die ihr euch zu allererst Stellen solltet: Wo will ich hin bzw. in welche Richtung will ich mich bewegen?"


    Der falsche Weg, den ich aber immer und immer wieder bei Leuten beobachte ist, bei jedem Teil in die Runde zu fragen: "Wie findet ihr dieses und jenes?" Diese Frage solltet ihr niemandem ausser euch selbst stellen. Was bringt euch am Ende ein Auto, welches bei der Masse (zumindest bei denen die ihr gefragt habt) gut ankommt, ihr selbst euch aber damit überhaupt nicht identifizieren könnt. Tuning ist immer Geschmackssache! Egal wofür ihr euch entscheidet, es gibt immer Leute denen es gefällt/ nicht gefällt. Es macht also nur Sinn euer Auto auch für euch und nach eurem Belieben zu bauen.
    Mittlerweile gibt es schier unzählige Tuningphilosophien und ständig lässt sich irgendwer etwas neues einfallen.
    Der ursprüngliche Sinn des Tunings, die Performance eines Autos zu verbessern, ist längst nicht mehr so einfach zu greifen wie einst. Mittlerweile versteht man unter Tuning auch ein Fahrzeug mit einem Hammer und der Flex zu maltretieren, den Lack zu entfernen und mit Säure gezielt Rost zu provozieren. Dazu muss sich an allen möglichen Stellen Stroh befinden und von den Sitzen darf nichts als die Federn übrig bleiben.
    Der Nächste kommt und stellt den Radsturz so extrem ein, dass man sich unweigerlich fragt, ob "Zurück in die Zukunft" jetzt auf dem besten Weg ist war zu werden und es nurnoch daran scheitert, die Transformation in den Schwebebetrieb vollständig abzuschließen.
    Ohne jetzt weiter ins Detail zu gehen, jede Form von Tuning hat seine Daseinsberechtigung, weil nunmal jeder andere Prioritäten setzt, unterschiedliches Budget zur Verfügung hat und andere Ambitionen pflegt. Während der eine mit seinem Auto möglichst schnell und effizient über den Rundkurs fegen will, begreift der andere sein Auto als Kunstobjekt, wo das Fahren wenig bis hin zu überhaupt keine Rolle mehr spielt.
    Eines haben gute Projekte, welcher Philosophie auch immer sie folgen, jedoch alle gemeinsam: Einen durchgehenden roten Faden, ein schlüssiges, stimmiges Gesamtkonzept und eine konsequente Umsetzung sowie individuelle, neue und pfiffige Ideen. Das sind die Kriterien, die gutes von schlechtem Tuning unterscheiden.
    Nur wer mal dazu bereit ist auch über den Tellerrand hinauszuschauen wird genau das erkennen.
    Für mich ist dieser Rat- Look absolut grausam, viele sind auch einfach nur irgendwie planlose "hauptsache irgendwie verstümmelt"- Haufen. Aber auch hier gibt es Wagen, wo ich einfach nur staune, wie viele Ideen und Kreativität da drin steckt.


    Wichtig ist, dass du dich für einen Weg entscheidest. Sich aus jedem Topf nach Belieben zu bedienen geht meist schief. Bei solchen Mischprojekten fehlt einfach das Konzept und das Ganze erinnert eher an einen Flickenteppich. Man kann nunmal kein Show& Shine- Fahrzeug bauen, welches gleichzeitig auf der Rennstrecke eine Referenzzeit fährt. Ebenso macht es keinen Sinn 500 PS unter der Haube zu haben aber gleichzeitig ein Airride- Fahrwek zu verbauen. Sicher sind auch Kompromisse möglich, nur solltest du dir dann im Klaren darüber sein, dass du wahrscheinlich weder bei dem Einen noch beim Anderen richtig gut dabei bist wenn es um Vergleiche geht.



    Du solltest dir also zuerst die Frage stellen: Show& Shine oder Performance? Falls Show& Shine: Welcher Look? GFK- Bomber, JDM, Rat-Look, Hellaflush, Stance usw. Doch auch Performance ist nicht gleich Performance hier stehen die Fragen: Slalom, Bergrennen, Rally, Autocross, Rundkurs, Drift usw. im Raum.


    Doch ich kanns nur immer wieder wiederholen: Egal wofür du dich entscheidest, die nun folgenden Punkte treffen auch für deinen ganz persönlichen Stil zu, sind vom Style total unabhängig und machen meiner Meinung nach den Unterschied zwischen gutem und schlechten Tuning aus.


    Projektvorbereitung


    Hast du dich grob für eine Richtung entschieden, solltest du dein Projekt planen. Je besser du dich mit Hilfe der folgenden Schritte vorbereitest, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit am Ende ein stimmiges Projekt auf die Beine zu stellen.


    Erst lesen, dann schrauben!

    Der erste aktive Schritt sollte sein, das Forum hier intensiv zu durchforsten. Welche Erfahrungen haben andere User gesammelt? Welche Produkte haben sich im nachhinein als Fehlkauf erwiesen und wo passt das Preis- Leistungs- Verhältnis? Hier lässt sich viel bares Geld und jede Menge Frust sparen.


    Es gibt viele Leute, die wild drauf los schrauben, sich am Ende das Resultat anschauen um enttäuscht festzustellen, dass sie für viel Geld ein hässliches, schlechtes Auto zusammengeschraubt haben.


    Wenn du dich dieser Informationen hier bedienst und dadurch einen Vorteil hast, freut uns das sehr. Doch brauchen wir dafür eben auch Leute, die ihre Erfahrungen teilen. Je mehr Leute ihre Erfahrungen teilen umso mehr Leute können auch davon profitieren. Ein Fehlkauf ist verdammt ärgerlich, gib der Sache doch noch den Hauch eines Sinns und berichte uns wenigstens davon. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen und nur auf dieser Basis kann diese Community funktionieren ;)


    Auch das Lexikon soll in Zukunft uns allen bei der Auswahl unserer Parts eine entscheidende Hilfe sein. Ich stelle mir das Ganze so vor, dass wir zum Beispiel unter den Begriff "Bremsanlage" Vor- und Nachteile verschiedenster Systeme ansprechen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg und es erfordert noch sehr viel fleiß von wahrscheinlich einigen wenigen "Gebern". Deshalb hier nochmal der Appell: Auch wenn die Information die du parat hast noch so klein ist, immer ins Lexikon wenigstens in die Kommentare des jeweiligen Begriffs reinschreiben. Wenn das jeder macht ergibt es früher oder später mal ein großes Ganzes.


    Die Planung


    Hast du dir erstmal einen groben Überblick über die Möglichkeiten verschafft und dir von unserer Galerie die ein oder andere Inspiration geholt ist es an der Zeit, das grobe Bild in deinem Kopf zu schärfen und zu formen. Zunächst solltest du die Eckpunkte stecken und Meilensteine positionieren. Zur Verdeutlichung mal mein Fall als Beispiel:



    - reines Motorsport- Projekt, hauptsächlich für Rally aber auch Setup für Rundkurs , mit Straßenzulassung


    - SpecC Twinscroll- Motor angepeilte Leistung: 300PS, Schwerpunkt Fahrbarkeit vor Leistung


    - SpecC Antriebsstrang inklusive 6- Gang- Getriebe


    - Käfig, sportsitze, komplett eigenkonstuiertes Interior


    - langfristig gesehen: Carbon WRC- Breitbau (niedrige Priorität)


    Solltet ihr euch für eine spezielle Rennserie entscheiden (z.B.: Time Attak) so ist von vornherein das technische Regelwerk eure Richtlinie, ihr solltet euer Fahrzeug streng danach aufbauen. Es ist verdammt ärgerlich, wegen einem bestimmten Mod sofort in der offenen Klasse zu landen, ohne jegliche Aussicht auf Konkurenzfähigkeit. Oder noch schlimmer: in der technischen Abnahme durchzufallen, weil euer Käfig nicht den gültigen Normen entspricht. In diesem Fall wird es richtig teuer..


    Habt ihr den groben Fahrplan erstellt, geht es nach und nach, Stück für Stück an den Feinschliff. Macht nicht den Fehler, das Feld von hinten aufzurollen. Viele sehen sich um, finden Dinge die ihnen gefallen und setzen sie auf die Einkaufsliste. Am Ende besteht aber die Gefahr, dass euer Projekt überladen und unstimmig wirkt, weil bestimmte Sachen, einzeln betrachtet, absolut top sein mögen, im Verbund mit anderen Dingen aber einfach nicht zusammenpassen wollen. Stichwort Bodykit: Wie viele Autos gibt es, wo die Front nicht zum Heck und den Seitenschwellern passt oder die Seitenlinie so viele Stufen hat, dass man mit den Augen unweigerlich drüberstolpert. Geht also vom großen Ganzen zu kleinsten Details und niemals umgekehrt.




    Einkaufsliste


    Wenn ihr euer Projekt soweit durchgeplant habt, geht es jetzt darum, die Kosten zu kalkulieren. Als grobe Richtlinie gilt: "Plane die Kosten und die Zeit und verdopple beides" Die Erfahrung zeigt, dass das ganz gut hin kommt, eher wird es noch mehr als weniger werden. Erstellt die Partlist schon so detailiert wie möglich, lest euch Erfahrungsberichte für die verschiedenen Komponenten durch und entscheidet euch für die für eure Anforderung passenden Parts. Das macht einen Haufen Arbeit, zahlt sich aber spätestens im nächsten Punkt schon aus. Viele Leute denken bei der Kostenplanung nicht an den Kleinkram wie Flüssigkeiten, Dichtungen etc. Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist, das ist einer der Gründe warum die Kosten meist über das Doppelte der Planung ausufern. Wo wir doch gerade so schön dabei sind, möchte ich euch an dieser Stelle noch einen schlauen Spruch mit auf die Reise geben: "Wer billig kauft, kauft zweimal" auch hier ist oft mehr Wahrheit dran, als einem lieb ist. Diese Erfahrung musste ich selbst schon auf sehr schmerzhafte Art und Weise mehrmals machen. Vor allem sollte man bei Lackierern niemals den Fehler machen, den Preis zu verhandeln! Sicher kommen sie euch entgegen doch der Preis ihrer Arbeitsleistungen verbilligt sich dadurch auf keinsten Fall, ihr werdet lediglich weniger Leistung erhalten!



    Ihr solltet also nicht nur schauen, dass ihr die richtigen Parts aus all dem Müll auf dem Markt rausfiltert, auch solltet ihr euch vorher gut überlegen, in welche Hände ihr euren Subi gebt. Ich bin da mittlerweile ein so gebranntes Kind, dass ich mir für mein aktuelles Projekt gesagt habe ich mach von vornherein alles selber. Auch der erste Karosseriebauer hat bei meinem WRC- Replika Projekt mächtig versagt, sodass ich später den Breitbau noch einmal komplett runterreissen und neu machen durfte.



    Priorisierung und zeitlicher Ablauf


    Die allerwenigsten Leute können es sich leisten, ihre Einkaufsliste in einem Schwung, am besten mit einer einzigen Großbestellung abzuarbeiten. (Ach wär das traumhaft =) ) Nein, normalsterbliche Leute müssen für die Abarbeitung ihrer geplanten Modlist je nach Aufwand und Gehalt 2 Jahre und länger Arbeiten gehen. Es ist also erforderlich Prioritäten zu setzen. Diese können je nach Vorhaben stark variieren und das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für ein Performance- Projekt ist das Aussehen zweit- bis drittrangig. Hier macht es Sinn, sich zunächst um die Bremsen zu kümmern, dann zum Fahrwerk zu kommen und erst zum Schluss die Motorleistung zu optimieren. In anderer Reihenfolge habt ihr vielleicht das Problem, gar nicht erst in den Genuss eines neuen Fahrwerks und Bremsen zu kommen, weil sich Aufgrund fehlender Bremsleistung euer Projekt nach 2 Runden Renneinsatz in der Leitplanke des Nürburgrings verewigt hat. Die Kunst bei der zeitlichen Planung besteht darin, die Highlights schön über die gesamte Planungsphase zu verteilen. Es ist durchaus legitim, die Sportsitze auch mal vor die härteren Lagerbuchsen zu setzen, um eure Motivation wieder etwas zu puschen.


    Wichtig ist es generell, die richtige Balance zu finden. Ihr solltet euch niemals auf nur einen Aspekt versteifen. Es macht keinen Sinn den Motor bis ins unendliche zu frisieren, wenn das Fahrwerk gnadenlos überfordert ist. Ein Fahrzeug mit weniger Leistung und dazu passendem Fahrwerk wird euch am Ende zunächst wesentlich glücklicher machen und die bessere Gesamtperformance liefern. Bei Show & Shine- Farzeugen ist das nicht anders. Ein dicker Shogun- Heckflügel wirkt auf einen sonst serienmßigen Auto einfach nur lächerlich, da spielt es auch keine Rolle, was ihr in Zukunft noch so tolles vor habt.. Auch solltet ihr euch die Frage stellen ob ein teures Airbrush Sinn macht, wenn sonst noch viele Arbeiten am Wagen anstehen. das Geschrei ist groß wenn euch mal ein Schraubenschlüssel aus der Hand gleitet und die Karosserie streift.


    Projektdokumentation


    Leider passiert es mir selbst viel zu oft, man ist gerade so schön im Workflow und vergisst dabei völlig die Sache ausführlich zu dokumentieren. Was habe ich mich schon
    geärgert, dass ich von meinem Motorumbau nicht viel mehr Bilder gemacht habe! Im Idealfall habt ihr einen Kumpel, der zwar zwei linke Hände hat aber dennoch technisch interessiert ist: der ideale Kandidat um die Dokumentation für euch während der Schraubersessions zu übernehmen. Auch an dieser Stelle möchte ich euch ans Herz legen, unseren Carblog ausführlich zu nutzen, eine gute Projektdokumentation ist vor allem für euch selbst sehr nützlich, weil ihr euch so auch die kleinsten Details immer wieder auf den Schirm holen könnt und nichts vergesst. So könnt ihr immer nachvollziehen was genau ihr gemacht habt und durch die Analyse dieser Aufzeichnungen und die Dokumentation der Resultate verschiedenster Mods lässt sich hier und da vielleicht im nachhinein noch verschenktes Potential entdecken. Schließlich reift man ja auch, je mehr Erfahrung man gesammelt hat. Vielleicht bringt euch ja auch das erneute Durchlesen eines 2 Jahre alten Beitrages auf die Idee, gewisse Dinge im nachhinein noch technisch besser zu lösen?
    Zu all diesen Dingen die für euch selbst von Vorteil sind, kommen natürlich auch die Kommentare von anderen Usern der Community. Diese sind komplett unvoreingenommen und es fallen vielleicht Dinge auf, die man selbst übersehen hat. Ausserdem hat der Mensch die Eigenart, die eigene Arbeit oft nicht objektiv betrachten zu können, man "verliebt" sich in seine Eigenkonstruktionen, weil man so viel Arbeit reingesteckt hat und gesteht sich deshalb bestimmte Mängel vielleicht nicht ein oder redet sie sich schön.
    Ausserdem sind positive Kommentare immer schön zu lesen und können ungemein motivieren.


    Es bietet sich ausserdem an, im Auto immer Stift und Papier bereit zu haben. Mir fallen unter dem Fahren immer und immer wieder kleinere Dinge auf, die mich stören. Wenn man sich sowas nicht direkt aufschreibt, vergisst mans wieder und ärgert sich Wochen später wieder über das selbe Problem. Eine vernünftige To- Do- List ist also nie verkehrt und Hilft euch anstehende Arbeiten zu strukturieren.



    Sucht euch Gleichgesinnte!


    Dass ihr Teil einer Community seid ist schonmal der richtige Ansatz, nur leider können euch Motorspezialisten aus Hamburg nur bedingt dabei helfen, einen Motor in München zu richten. Deshalb solltet ihr euch auch immer lokal in Ineressengemeinschaften und Clubs organisieren. Das gemeinsame Schrauben macht nicht nur wesentlich mehr Spaß, viele Augen die die selbe Sache mit ganz unterschiedlichen Kriterien betrachten, erhöhen die Wahrscheinlichkeit Fehler zu entdecken. (Murphy's Law) Ausserdem hat eine Gruppe immer mehr know-how als eine Einzelperson, sodass viel mehr Erfahrungen in ein Projekt einfließen können. Wenn ihr ausschließlich eine Subarugemeinde seid empfiehlt es sich euch zu spezialisieren. Einer informiert sich über Fahrwerke, der Nächste wird Motorenspezialist. So habt ihr in sämtlichen Bereichen erstklassiges know- how, ohne dass einer Einzelperson der Kopf platzt. Auch aus finanziellen Gründen macht sich das Zusammentuen mehr als bezahlt. Nicht nur die Hallenmiete wird so erträglicher, besitzt einer einen Motorkran, besitzen alle einen Motorkran! Nach getaner Arbeit bei einem Bier in Klappstühlen vor dem Projekt zu sitzen, Geschafftes zu reflektieren, bevorstehendes zu besprechen und Anekdoten von diversen Trackdays auszutauschen. Was kann man mehr vom Leben wollen?


    An sich wäre das ein sehr schönes Schlusswort, doch ein abschließendes Thema habe ich noch für euch ;)


    Warum viele Projekte vorzeitig sterben


    Ich habe in meinem Umfeld schon viele außergewöhnliche und vielversprechende Projekte frühzeitig sterben sehen. Auch in den großen englischsprachigen Foren gibt es viele Builds (ich hab das Gefühl die sind eh alle viel kranker als wir, was Hardcore- Projekte angeht) die schon über 4 Jahre alt sind und immernoch nicht einmal Asphalt unter die Räder genommen haben. Dabei ist eine frühzeitige Projektaufgabe ein finanzielles Desaster und vieles was man einst teuer bezahlt hat ist plötzlich nurnoch einen Bruchteil von dem wert. Ein solches Schicksal geht es also unbedingt zu vermeiden.
    Ein Hauptgrund dafür ist und bleibt die Familienplanung. Wer ein Großprojekt über 3 Jahre und mehr plant, der sollte es sich vorher genau überlegen ob in diesem Zeitraum nicht vielleicht Nachwuchs zu erwarten ist. Ein Kind ändert schlagartig alles, ob man denn nun will oder nicht und ein Projekt wird so ganz schnell zur Nebensache und zu einer finanziellen Belastung, die man nicht mehr stemmen kann und will, weil man für solche Sachen erstmal onehin für längere Zeit keinen Kopf mehr hat.


    Doch das ist nicht der einzige Grund, viele Großprojekte sind schlicht falsch geplant. Ein Projekt, welches Jahre lang nur in der Garage steht und kontinuierlich Geld schluckt ohne dass man sich auch nur einmal hinters Steuer setzen konnte, wirkt auf lange Sicht einfach demotivierend. Zweifel kommen hoch: "Ist es richtig Monat für Monat so viel Geld in ein Auto zu stecken?" Ihr solltet ein Projekt also so anlegen, dass ihr euch auch zwischendurch immer mal wieder mit einer Testfahrt belohnen könnt. Ohne regelmäßige Erfolgserlebnisse wird der Mensch ganz automatisch müde, der Ideale Nährboden für Zweifel!
    Wann immer es möglich ist, solltet ihr also daran denken. Egal wie groß der Tatendrang am Anfang sein mag, egal wie sehr ihr von der Durchführung eures Projektes überzeugt seid, tut euch selbst den Gefallen und legt es so an, dass es eben nicht in einem 2 Jahre Dauergarage- Märthyrium mündet. Eure Stimmung kann sehr schnell umschlagen und sowas geht von heute auf morgen! Als ich in den Tuning- Anfängen war und zu den verrückten Builds mit größer Bewunderung aufgeschaut habe ist mir jedes Mal das Gesicht eingeschlafen als ich lesen musste, wenn wieder ein Highlight- Projekt aufgegeben wurde. Ich hatte dafür einfach kein Verständnis, wie man sich von so einem Traum trennen kann. Heute weis ich aus eigener Erfahrung, wenn man nicht aufpasst kann aus dem Traum schnell ein Alptraum werden.


    Auch Änderungen am Arbeitsverhältnis oder Kündigung sind Faktoren, die gegen eine lang angelegte Dauerbaustelle sprechen. Auch wenn es nervig sein kann, einen Motor immer wieder ein und auszubauen, wenn man das zwei drei mal gemacht hat, dann dauert das nicht länger als 45 min und ich kann jedem nur davon abraten ein Auto auf einen Schlag komplett neu aufzubauen. Teilt es in Abschnitte auf, beginnt mit der Karosserie, baut den Käfig ein und setzt erstmal alles wieder Zusammen. Holt euch Motivation dadurch, dass sich das Auto jetzt bei einer Probefahrt schon viel sportlicher anfühlt, weil die Karosserie steifer ist. Dann nehmt euch als nächstes die Achsen vor, pulvert alles schön baut es wieder zusammen und dreht ne Runde usw. Sicher habt ihr am Ende dadurch viel mehr Schrauberarbeit aber ihr bekommt das Auto wenigstens fertig!



    So das solls für heute erstmal gewesen sein.. Lasst mir ein Like da wenn es euch gefallen hat oder schreibt Verbesserungsvorschläge und Kritik in die Kommentare, ich freu mich über jegliches Feedback ;)


    Quellen- und Bilderverzeichnis:


    Richies WRC inspired Track build - einer meiner absoluten Lieblingsbuilds


    Stance Wagon- subaru-wagon-stance.png
    Rally Hawk- Subaru-WRX-Rally1.jpg
    Offroad- Subi - IMG_9573-L.jpg
    Gopstopper- 180_subaru_impreza_gobstopper_2_1568_cover.jpg
    Richies build- DSC_2297_zpsa6c33391.jpg Photo by RichWhite7 | Photobucket

Teilen

Kommentare 5

  • Gefällt mir sehr gut.....Besonders da nicht nur eine Möglichkeit der "Veredelung" aufgeführt wird, sondern auf die verschiedensten Bereiche und Variationen eingegangen wird :)
  • sehr sehr guter beitrag. top geschrieben =) wenn es dann iwann bei mir auch mal klappt, mit dem turbo, werde ich mir das auf jeden fall zu herzen nehmen ;)
  • Sehr schön geschrieben, die Beiträge von dir lese ich immer gerne !
  • Klasse geschrieben und auf den Punkt getroffen, jeder der sich an einem Projekt schon mal versucht hat, kann das nachvollziehen - ob der Wagen nun ein Subaru, Nissan wie bei mir oder auch ein Volkswagen!