Zweispurigkeit auf Landstrassen? Sinnlos!!! [Ein Kommentar]

  • Hallo Leute,


    heute muss ich mich mal bei euch über eine Unart auslassen, die mir jeden Morgen aufs neue tierisch auf den Senkel geht. (Aber bitte nicht allzu ernst nehmen! ;) )


    Ich bin Berufspendler und fahre jeden 2. Werktagtag ca. 100km von meiner Arbeitsstätte nach Hause und am nächsten Morgen wieder zurück. Aber nicht etwa über eine Autobahn, nein, 100km reinste Landstraße! Leider liegt meine Arbeitsstätte hinterm Mond. In einem Umkreis von 80km gibt es da kein Kino, keine Buchhandlung, kein Baumarkt, nichts! Mitten im nirgendwo, 80km bis Berlin und 80km bis Leipzig, dazwischen nichts nennenswertes und ich dachte, Deutschland gilt als dicht besiedelt!?.. Aber ok, ich schweife ab..


    Jeden Montag und Donnerstag morgen schäle ich mich also um 4:00Uhr aus dem Bett um mich auf die beschwerliche Reise zu meiner heiß geliebten Arbeitsstätte zu begeben. Einmal quer durch Leipzig Richtung Torgau raus und dann geht es los: Beschleunigen auf 100 für 700m-->T-Kreuzung, abbremsen auf 70 für 100m -->beschleunigen auf 100 -->Ortschaft 50 und so weiter.


    Dazwischen gibt es längere Strecken mit Abschnitten, an denen man sogut wie gar nicht überholen kann und jeden Morgen gelingt es mir aufs neue, einen achtsamen Mitbürger vor mir zu haben, der sich denkt: "Immer dieses Abbremsen und beschleunigen.. ich fahr einfach konstant meine 70 durch."
    Der Staat ist leider nicht so konsequent, diese Mitbürger aufgrund von Freiheitsberaubung, Einschränkung der freien Entfaltung der Persönlichkeit, Gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr oder etlicher weiterer grober Verstöße gegen elementare Grundgesetze, die mir spontan einfallen würden, direkt einzusperren. Das ist sehr ärgerlich, denn mein hochentwickeltes konsequentes "just in time"- Zeitmanagement, lässt solche Variablen einfach nicht zu!


    Doch auch wenn Vater Staat nicht konsequent genug ist, haben immerhin ausgefuchste Verkehrsplaner an Leute wie mich gedacht, indem sie alle paar Kilometer die Landstraße wechselseitig zweispurig gemacht haben, genial! Doch leider hatten die Verkehrsplaner die wesentlich höhere Genialität der achtsamen Mitbürger dabei nicht auf dem Schirm!


    Da fahr ich also, die Zeit zwar im Nacken aber dennoch brav hinter meinem achtsamen Mitbürger in die Perlenkette eingereiht. Der nächste zweispurige Teilabschnitt ist ja nicht mehr weit. Nur noch 100m! Während ich langsam hibbelig werde, einen Gang runterschalte und mich mental fürs Überholen bereit mache, scheint der achtsame Mitbürger vor mir völlig entspannt und unbeeindruckt. Wir passieren im dichten Formationsflug das Schild, dass die Zweispurigkeit einleitet, ich setze den Blinker, doch was ist das?!


    Als hätte Walther Röhrl persönlich den Tagträumer mit einer gezielten Schelle ("Ja bist du deppert?!?") zurück ins Hier und Jetzt befördert, scheint es bei meinem Vordermann plötzlich völlig auszusetzen, denn als ginge es um Extra-Payback- Punkte bei einem REWE- Einkauf schießt mein achtsamer Mitbürger plötzlich los: 80...90...100....120!
    Okay...., denk ich mir und schere wieder hinter dem Hobbypiloten ein. Vielleicht hat ihm seine Freundin ja geschrieben, dass sie allein zu Hause ist? (solche Videos kennt man ja von Youtube..). Jedenfalls wandelt sich plötzlich die rollende Straßenbockade zu einem Windschatten- Spendendem Blitzerfänger. "Gut, Alle Probleme gelöst!" denke ich mir und bleibe dran.. Doch ein wechselseitig zweispuriger Teilabschnitt wäre kein wechselseitig zweispuriger Teilabschnitt, wenn er nicht irgendwann einmal enden würde. Doch was ist das? Irgendetwas scheint mit Schumis Wagen vor mir etwas nicht in Ordnung, er verliert kontinuierlich an Geschwindigkeit. Ist der Motor hochgegangen?, Sind die Antreibswellen gebrochen? ist der Sprit leer? Verliert er Öl?? 110...100...90...80....70 Ich überlege schon, ob ich die Warnblinkanlage einschalten sollte, um den nachfolgenden Verkehr zu warnen. Doch was ist jetzt? Er scheint die Geschwindigkeit wieder halten zu können.


    Die Fahrt wird unbeeindruckt mit 70 km/h fortgesetzt, als wären die letzten 800m nie geschehen. Habe ich das nur geträumt? Habe ich das Schild "Mindestgeschwindigkeit 120km/h auf einer Strecke von 800m" übersehen? Was war passiert?


    Doch das eben geschilderte Phänomen war keineswegs ein Einzelfall. Fast auf jeder Fahrt lässt es sich beobachten: Sobald es zweispurig wird, drehen die Achtsamen vollkommen durch. Ich fahre nie schneller als 100 km/h, weil auf der Strecke sehr häufig geblitzt wird. Doch auch mit 100km/h läuft man auf die meisten Verkehrsteilnehmer auf. Viele Leute fahren auf der Landstraße, vor allem jetzt wo es immer dunkel ist, nur mit 80. Da sist ja auch legitim, jeder wie er es sich zutraut und man kann ja meist auch problemlos überholen, ohne die Geschwindigkeitsbeschränkung zu überschreiten. Doch dort wo es zweispurig ist, brauch man unter einer Geschwindigkeit von 120km/h gar nicht erst zum Überholen ansetzen.


    Wie ist das zu erklären? Fühlen sich die Leute sicherer, wenn es zweispurig wird? Können die Leute es einfach nicht ertragen, überholt zu werden? Oder hat das doch ganz andere Gründe? Was meint ihr ?

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Kommentare 3

  • Suuuuper!
    Ich habe genau das Phänomen auch schon oft beobachten können.
    Im Extremfall sind mehrere Fahrzeuge dann in diesen Abschnitten mit geschätzten 140km/h oder höher unterwegs um dann doch wieder hinter einem anderen Fahrer zu landen, welcher am Ende der Zweispurigkeit wieder langsam auf 90km/h zurückfällt (von vorherigen 110-115km/h)...
  • Ich kann deine Unzufriedenheit, um es mal dezent auszudrücken, gut verstehen. Das mancher Autofahrer auf der Landstraße nicht mit den erlaubten 100 kmh fährt, hat eine ganz einfache Ursache. Es geht um die erlaubte Höchstgeschwindigkeit, nicht um die vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit. Und jeder fährt halt so schnell, wie er sich halt sicher fühlt. Wenn man schneller fahren will, kann man ja überholen. Wir haben dieses Problem zwischen Berliner und Brandenburgern. Wenn man dann nicht 100 fährt, wird man angehupt und zum Teil beschimpft. Als Ortsfremder ist man aber nunmal etwas vorsichtiger, vor allem mit Frau und Kind an Bord. Das Brandenburgern das egal ist, bezeugen die vielen Kreuze an den Straßenrändern. Aber auch ich schweife ab...
    Wenn dann die Brandenburger nach Berlin reinkommen, fängt das Schauspiel andersrum an. Parken wie die Jungfrauen, könne sich nicht rechtzeitig einordnen, fahren auf der Busspur...naja...
    Ich würde mich an deiner Stelle nicht darüber aufregen. Das schafft nur Stress. Die Menschen sehen die Dinge oft nicht so, wie sie sind. Der vor dir glaubt ja auch, er macht alles richtig.
    • Also ersteinmal ist dieser Artikel ehermit einem Schmunzeln zu lesen als mit bitterer Ernsthaftigkeit ;) Dass die Leute nicht immer 100 fahren ist doch auch überhaupt nicht das Thema. Wenn ich ein interessantes Hörbuch höre oder konzentriert in Gedanken vertieft bin, fahre ich auch, recht häufig sogar, viel langsamer. Es geht hier doch lediglich um das Phänomen, dass langsame Fahrer nicht kohärent handeln und sobald es zweispurig wird, plötzlich eben nicht mehr 80 sondern 120 fahren, nur um am Ende der Zweispurigkeit wieder auf 80 herunter zu bremsen. Man hat also trotz Zweispurigkeit eigentlich gar keine Chance StVO- konform auf solchen Streckenabschnitten zu überholen, weil die Langsamen plötzlich genau hier für sich entscheiden 120 fahren zu müssen. Ergo sind Zweispurige Teilabschnitte (vom LKW überholen mal abgesehen) vollkommen sinnlos. Wären die Abschnitte (die ja meist auf langen Geraden sind) nicht zweispurig, so würde man wesentlich leichter und vor allem deutlich langsamer überholen können. Es ist meiner Meinung nach ein (verkehrs-)psychologisches Problem. Wenn ich Blitzer aufstellen würde, dann an genau diesen Punkten. Hier wird fast jeder gezwungenermaßen zum Raser